Kurs · Schulung · Workshop
Self-Hosted LLMs
Kleine, schnelle Open-Source-LLMs selber betreiben: Speicher planen, Quantisierung und Mixture of Experts verstehen, mit Ollama und vLLM arbeiten, fine-tunen und die Qualität selber messen.
Dieser Kurs zeigt Engineering-Teams, wie sie Large Language Models auf eigener Hardware betreiben, statt jeden Prompt an OpenAI, Anthropic oder Google zu schicken. Genau das ist digitale Souveränität in der Praxis – du entscheidest selber über deine Daten, deine Verfügbarkeit und deine Kosten. Im Zentrum stehen kleine, schnelle Open-Source-Modelle. Viele davon laufen auf einer einzelnen GPU oder einem modernen Mac und sind für einen konkreten Use Case oft gut genug. Du lernst, warum beim Betrieb meistens der Speicher der Engpass ist und nicht die Rechenleistung. Quantisierung spart Speicher. Mixture of Experts bringt Geschwindigkeit, aber keinen kleineren Speicherbedarf. Du lernst auch, Modellnamen auf Hugging Face zu lesen. In den Übungen arbeiten wir mit Ollama und llama.cpp für den Einstieg, mit vLLM für mehrere gleichzeitige Nutzende und mit Unsloth für eigene Spezialmodelle. Dazu kommt der Schritt, der in der Praxis am häufigsten fehlt – eine eigene Evaluierung. Sie zeigt dir, ob das kleine Modell für deinen Fall wirklich reicht.
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Inhalt
Der Kurs besteht aus den folgenden Themen und kann je nach Publikum erweitert oder angepasst werden. Die Beispiele konzentrieren sich auf offene Modelle und Open-Source-Werkzeuge, die du auf eigener Hardware betreiben kannst. Für Inhouse-Kurse wählen wir Modelle, Hardware-Szenarien und Use Cases, die zum Publikum passen.
– Warum digitale Souveränität bei LLMs:
- Datenschutz: dokumentierte Leaks und Aufbewahrungspflichten bei öffentlichen Anbietern
- Rechtliche und geopolitische Abhängigkeiten, Jurisdiktion der Anbieter
- Wirtschaftliche Lage der grossen Anbieter und was das für die Preise heisst
- Lock-in, abgekündigte Modelle und Verfügbarkeit als Betriebsrisiko
- Wann ein externer Anbieter trotzdem die richtige Wahl ist – Drei Betriebsmodelle im Vergleich:
- Public: ChatGPT, Claude oder Mistral als Service nutzen
- Hosted: AWS Bedrock, Azure AI Foundry, Google Vertex AI – und europäische bzw. schweizerische Anbieter, wenn die Jurisdiktion zählt
- Local: eigene Hardware, volle Kontrolle, volle Verantwortung
- Trade-offs bei Kontrolle, Aufwand, Kosten und Compliance
- Offene Modelle aus Europa und der Schweiz, etwa Apertus von ETH, EPFL und CSCS – Der Speicher als eigentlicher Engpass:
- Warum der Speicher die Grenze setzt und nicht die FLOPS
- Speicherbudget: Parameter, KV-Cache und Workspace
- Kontextlänge und was sie mit dem Speicherbedarf macht
- Warum die Speicherbandbreite bestimmt, wie schnell ein Modell antwortet
- Durchsatz, Latenz und Tokens pro Sekunde selber messen – Quantisierung:
- Was Quantisierung mit den Gewichten macht
- Verfahren und Stufen: Q8, Q4, K-Quants, AWQ, GPTQ
- Trade-off zwischen gespartem Speicher und Qualitätsverlust
- Quantisierte Modelle herunterladen oder selber quantisieren – Modell-Architektur und Modellwahl:
- Grosse Generalisten gegen kleine Spezialisten
- Dense gegen Mixture of Experts: die aktiven Parameter bestimmen die Geschwindigkeit, alle Parameter zusammen den Speicherbedarf
- Modellnamen auf Hugging Face lesen: Name, Version, Grösse, aktive Parameter, Quantisierung
- Lizenzen offener Modelle und was sie für dich bedeuten
- Grössenklassen nach verfügbarem Speicher: bis 16 GB, 24 bis 96 GB, und was nur im Cluster läuft – Hardware und Sizing:
- Consumer-GPUs, professionelle GPUs und Apple Silicon mit Unified Memory
- Faustregeln: welches Modell braucht wie viel Speicher
- Sizing für mehrere gleichzeitige Nutzende
- Kaufen oder mieten, Amortisation gegenüber API-Kosten
- Mehr aus vorhandenen GPUs holen, etwa mit Batch-Jobs über Nacht – Betrieb mit llama.cpp und Ollama:
- GGUF-Modelle laden und Parameter setzen
- Ollama im Alltag: Modelfiles, Offloading, GPU-Layers
- Die OpenAI-kompatible API als De-facto-Standard
- Wo es beim Betrieb mit mehreren Nutzenden nicht mehr reicht – Produktiver Betrieb mit vLLM:
- PagedAttention und effiziente KV-Cache-Verwaltung
- Continuous Batching und Durchsatz-Optimierung
- vLLM per CLI serven und aus Python nutzen
- GPU-Memory-Utilization, Kontextlänge und API-Keys konfigurieren
- Abgrenzung zu Alternativen wie TGI und SGLang
- Benchmarking und Kapazitätsplanung – Applikationen gegen das eigene LLM bauen:
- OpenAI-kompatible Clients auf die eigene Base-URL zeigen
- Structured Output, Tool Calling und Streaming mit offenen Modellen
- Embeddings und RAG mit lokalen Modellen
- Fallback- und Routing-Strategien zwischen lokal und extern – Fine-Tuning kleiner Spezialmodelle:
- Wann Fine-Tuning, wann Prompting, wann RAG – und wann gar kein LLM
- Fine-Tuning ist nicht Training von Null: was realistisch machbar ist
- LoRA und QLoRA als bezahlbarer Weg
- Fine-Tuning mit Unsloth, Datensatz aufbereiten und GPU-Bedarf abschätzen
- Adapter ausliefern und mit vLLM servieren – Evaluierung und Qualitätssicherung:
- Warum öffentliche Benchmarks für deinen Use Case wenig aussagen
- Eigenes Test-Harness mit repräsentativen Prompts aufbauen
- Nichtdeterminismus: mehrfache Läufe, Scoring und Regressionstests
- Modelle, Versionen und Quantisierungsstufen objektiv vergleichen
- Wann sich eine eigene Evaluierung lohnt und wann nicht – Ausblick auf den Betrieb im Team und im Unternehmen:
- vLLM auf Kubernetes, GPU-Sharing und Time-Slicing
- Mehrere Modelle und Teams auf gemeinsamer Hardware
- Monitoring von GPU-Auslastung, Latenz und Kosten
- Zugriff, Auditierbarkeit und der Weg zu einer eigenen LLM-Plattform – Best Practices und Ausblick:
- “Dare to go small” – die kleinste Lösung, die den Use Case erfüllt
- Referenzarchitekturen für den eigenen LLM-Betrieb
- Entwicklung offener Modelle und Hardware einschätzen
Die Teilnehmenden betreiben eigene Modelle auf echter Hardware, vergleichen Quantisierungsstufen und Architekturen mit eigenen Messungen und nehmen einen fundierten Entscheid mit, welche AI-Workloads sie künftig selber hosten.
Der effektive Kursinhalt kann, abhängig von Trainer, Durchführung, Dauer und Konstellation der Teilnehmer:innen, von obigen Angaben abweichen.
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Mehr über Self-Hosted LLMs
Wer ein LLM über eine öffentliche API nutzt, gibt drei Dinge aus der Hand: die eigenen Daten, die Kontrolle über die Verfügbarkeit und die Kontrolle über den Preis. Digitale Souveränität heisst, diese drei Entscheidungen selber zu behalten. Und das ist kein theoretisches Risiko. Es gibt dokumentierte Fälle: geleakte private Chatverläufe, gerichtlich erzwungene Aufbewahrung von Logs, die Nutzende längst gelöscht hatten, und Nutzungssperren, die von einem Tag auf den anderen aus politischen Gründen kamen. Dazu kommt die wirtschaftliche Seite. Die grossen Anbieter arbeiten bisher mit Verlust. Irgendwann muss dieses Geld zurückkommen, über höhere Preise, über Werbung im Chat oder über ein anderes Geschäftsmodell. Gleichzeitig drückt der Wettbewerb die Preise nach unten, weil Modelle zur Commodity werden. Wohin die Preise am Ende gehen, weiss niemand. Und genau das ist der Punkt: Du hast es nicht in der Hand. Gleichzeitig schliessen offene Modelle die Lücke zu den Frontier-Modellen immer schneller, teilweise innerhalb weniger Monate. Auch die Hardware kommt ihnen entgegen: Consumer-GPUs, Workstations und Macs mit Unified Memory sind längst gut genug für brauchbare Modelle. Ein Detail aus den Investitionszahlen ist bemerkenswert. Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta stecken jährlich zweistellige Milliardenbeträge in Rechenzentren und GPUs, Apple nur einen Bruchteil davon. Das passt zu einer anderen Wette: Die anderen bezahlen das Training, Apple verkauft das Gerät, auf dem das Ergebnis läuft. Beides zusammen verschiebt das Pendel zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung wieder ein Stück in Richtung eigener Infrastruktur, wie schon bei Mainframe und PC, Serverfarm und Laptop, Cloud und Smartphone. Es geht nicht darum, dass eine Seite gewinnt. Es geht darum, dass du pro Use Case entscheiden kannst, auf welcher Seite er läuft.Weitere Ressourcen:
History
Praktikabel wurde der lokale LLM-Betrieb 2023 mit llama.cpp, einer schlanken C/C++-Implementierung, mit der quantisierte Modelle auch ohne Rechenzentrums-GPU liefen – damals im GGML-, später im GGUF-Format. Ollama setzte darauf eine einfache Bedienung und eine OpenAI-kompatible API. Anfangs war es im Kern ein Wrapper um llama.cpp, heute bringt es für neuere Modelle eine eigene Engine mit.
Für mehrere gleichzeitige Nutzende entstand 2023 an der UC Berkeley vLLM. Sein PagedAttention verwaltet den KV-Cache in Seiten, ähnlich wie ein Betriebssystem virtuellen Speicher verwaltet, statt für jede Antwort vorsorglich einen viel zu grossen Block zu reservieren. Damit stieg der Durchsatz pro GPU deutlich. Gleichzeitig senkten LoRA und Projekte wie Unsloth die Kosten für Fine-Tuning so weit, dass eigene Spezialmodelle auch für kleine Teams erreichbar wurden.
